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Alfred Bekker
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„Klavier, Oboe, Cello, Saxophon und Schlagzeug!“

Über das Rüstzeug eines vielseitigen Schriftstellers sprach Uwe Helmut Grave mit Alfred Bekker
Juli 2006

Als ich Alfred Bekker kennenlernte, lagen schon knapp fünfzehn Schriftstellerjahre hinter mir. Bis dahin hatte ich lediglich Kontakt gehabt zu Autoren der „künstlerischen Fakultät“, deren Texte (laut eigenem Bekunden) samt und sonders immens sozialkritisch und anspruchsvoll waren. Daran, daß sich die Anzahl ihrer Veröffentlichungen in bescheidenen Grenzen hielt, waren selbstverständlich Schreiberlinge wie ich schuld, welche die Menschheit mit leicht verdaulichem Gedankengut völlig verdummten (damals schrieb ich überwiegend Liebesromane). Derlei Daueranfeindungen stürzten mich allmählich in eine tiefe Sinnkrise, der eine noch tiefere Finanzkrise folgen sollte. Ich beschloß, das Schreiben aufzugeben und mir wieder einen „anständigen Beruf“ zu suchen – meinen seligen Herrn Papa hätte es gefreut...
Alfred machte meinem Vater allerdings einen Strich durch die Rechnung und holte mich aus der Sinnkrise heraus. Zum erstenmal in meinem Leben lernte ich einen Autoren kennen, der wie ich seine Texte aus Spaß an der Freude zu Papier brachte, um seine Leser zu unterhalten, nicht mehr und nicht weniger. Darauf, daß man ihm einen Orden als Weltverbesserer ans Revers heftete, konnte er getrost verzichten – ein anständiges Honorar war ihm allemal lieber. Im Verlauf einer monatelangen Korrespondenz, begleitet von einem regen Skriptaustausch, überzeugte er mich, freiberuflicher Autor zu bleiben. Er machte mir klar, daß Schriftsteller kein Beruf war wie jeder andere, sondern eine Berufung, der man sich nicht einfach so entziehen konnte.
Solche Worte hören sich zwar nach Sprücheklopferei an, doch Alfred Bekker meint nicht nur was er sagt – er lebt auch danach. Privatleben und Berufsleben sind nicht durch strikte Uhrzeitgrenzen getrennt, wie bei einem Angestellten, der zwischen seinem wohlverdienten Feierabend und dem morgendlichen Weckerklingeln nichts von seiner Büroarbeit hören möchte. Der „Privatier“ Alfred ist jederzeit (!) bereit, in die Tastatur zu greifen, wenn ihn neue Ideen befallen, und mit dem Autoren Alfred kann man auf beruflichen Meetings auch mal über private Dinge reden. Sein Leben ist wie ein gut gemixter Cocktail – ein alkoholfreier, wohlgemerkt, denn für Besäufnisse hat er nicht viel übrig –, so wie seine Romane und Kurzgeschichten, die stets die richtige Mischung von Phantasie und Realität enthalten.
Seine Texte bringt er überwiegend im heimischen Arbeitszimmer auf den Bildschirm. Ich habe noch nie einen Blick hineingeworfen, könnte mir aber vorstellen, daß es vollgestopft ist mit diverser Literatur, denn Alfred sammelt Bücher und Heftromane, was immer wieder zu erheblichen Platzproblemen führt. Zu seinem Bedauern findet er kaum noch Zeit, etwas nur so zum Spaß zu lesen. Zum Zeitpunkt der Befragung widmete er sich zwar gerade einem Schwedenkrimi von Hakan Nesser, räumte aber offen ein: „Ich lese den Roman in erster Linie, weil ich demnächst selbst einen Schwedenkrimi schreiben soll.“
Immerhin sucht er ab und zu ein wenig Entspannung vor dem Fernseher. Seine Lieblingsserien sind das Original von Star Trek, Sledge Hammer und Die Sopranos.
Seit Alfred neuerdings nicht mehr im Schuldienst tätig ist, bevorzugt er den Morgen zum Schreiben. Vermutlich hört er dabei gern Musik, denn die Frage nach seinen musikalischen Vorlieben beantwortete er mir von allen Fragen am ausführlichsten:
„Ich mag Jazz, insbesondere von Miles Davis, Herbie Hancock, Klaus Doldinger oder Nils Petter Molvaer. Ich schätze aber auch Igor Strawinsky, Maurice Ravel, Sergej Prokofieff, Antonin Dvorak und den kürzlich verstorbenen Avantgardisten György Ligeti. Und last but not least den genialen Prince. Ich selbst hatte Unterricht in Klavier, Oboe und Cello und spiele außerdem Saxophon und Schlagzeug.
Das Aufnehmen und Einspielen eigener Kompositionen ist ein Hobby, dem ich mich leider viel zu wenig widmen kann. Als ich zwölf Jahre alt war, hat mich eine Aufführung von Georges Bizet’s Oper CARMEN so stark beeindruckt, daß ich danach anfing, selbst eine Oper zu schreiben. Gleichzeitig schrieb ich aber auch an einem Science Fiction-Roman. Den Roman habe ich beendet, die Oper nie. Hätte es damals schon die Möglichkeiten der Komposition gegeben, die einem heute der Computer liefert, wäre ich vielleicht niemals Schriftsteller, sondern Musiker geworden, wer weiß, wer weiß... Die leichtere Realisierbarkeit des Romans hat da wohl den Ausschlag gegeben. Ein Text ist schließlich bereits das Endprodukt – aber Noten sind eben nur Noten und keine Musik.“
Angesichts seiner nahezu grenzenlosen Vielseitigkeit hatte ich eigentlich erwartet, von Alfred eine ellenlange Liste mit zahlreichen Vereinsaktivitäten vorgelegt zu bekommen. Es hätte mich nicht im geringsten gewundert, wenn er „so ganz nebenbei“ noch Brieftauben gezüchtet, Gemüse im Schrebergarten angepflanzt oder Sportfeste organisiert hätte. Doch in diesem Punkt sind selbst ihm (zeitliche) Grenzen gesetzt:
„Mit vierzehn Jahren war ich Mitglied einer Umweltschutz-Bürgerinitiative und habe dort zusammen mit einem Klassenkameraden die Pressearbeit gemacht. Später war ich für die Grünen kommunalpolitisch aktiv, was irgendwann der Neuordnung meiner Aktivitäten zum Opfer fiel. Mir war das Schreiben von Geschichten schon früh wichtiger als das Redenschwingen in verrauchten Wirtshaushinterzimmern, wo die Grenzwerte für die Atemluft nicht so genau genommen wurden.“
Alfred Bekker bewegt Räderfahrzeuge bis 7,5 Tonnen sowie Ruder- und Segelboote. Aber hat er überhaupt genügend Zeit zum Verreisen?
„Am liebsten bin ich zu Hause, da es bei uns das ganz Jahr über wie im Urlaub ist. Wir – meine Frau und mein fünfzehnjähriger Sohn – wohnen in einem Holzblockhaus, etwa dreihundert Meter von einer Talsperre entfernt. Dort fahre ich regelmäßig mit dem Ruderboot hinaus. Zum Segeln geht es dann zweimal im Jahr nach Ostfriesland. In die Ferne zieht es mich nicht mehr so oft, vielleicht deshalb, weil ich mir früher schon alles angeschaut habe. Besonders beeindruckt haben mich Irland und Marokko.
Wenn wir ausgehen, bevorzuge ich die asiatische Küche, denn ich mag es gern scharf und feurig. Die beste Köchin ist aber meine Frau – die natürlich noch über andere Qualitäten verfügt, beispielsweise mich zum Lachen zu bringen. Übrigens: Sie betätigt sich gelegentlich ebenfalls als Autorin, und zwar mit Erfolg.“
Meine Frage nach menschlichen Charaktereigenschaften, die ihn erfreuen oder ärgern, beantwortete mir Alfred Bekker genauso geradeheraus:
„Ich mag Menschen, die offen und ehrlich sind – und ärgere mich über Unzuverlässigkeit!“
Ein idealer Abschlußsatz!

Freude am Lesen!
U.H.G.

 
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